Johann I. (Habsburg-Laufenburg)

Johann I. (Habsburg-Laufenburg) auch Hans I. (* um 1297; † 20.–30. September 1337 bei Grynau), war ein Graf von Habsburg-Laufenburg, nach dem Tod seines Vaters Rudolf III. 1314 Landgraf im Klettgau und Vogt des Klosters Rheinau

Johann I. war der Sohn von Rudolf III. und seiner Gemahlin Elisabeth von Rapperswil. Den Laufenburgern erneuerte er 1315 ihr Stadtrecht.
Johann war wenig erfolgreich, und zu seinem Unglück trug vor allem seine Unterstützung der unterlegenen Partei bei der »Revolution in Zürich« bei, die ausgelöst wurde durch den Ritter und Bürgermeister von Zürich Rudolf Brun und dessen Brunsche Zunftverfassung, der er auf seinem Schloss Rapperswil Asyl gewährte, im weiteren Verlauf dieser Geschehnisse, die als Schlacht bei Grynau bekannt ist, wurde er als Anführer zusammen mit dem Toggenburger Graf Diethelm II. bei Grynau erschlagen.
Er war verheiratet mit Agnes von Werd († nach 9. Februar 1354), Tochter des Sigismund von Werd, Landgraf des Unter-Elsaß. Das Paar hatte folgende Kinder:

Hogan

Der Hogan (Navajo hooghan, [hoːɣan]) ist das traditionelle Wohnhaus der Diné.
Die ursprüngliche Form war ein kuppelförmiger runder Bau. Das Gerüst bildeten aufrecht in den Boden gesetzte Baumstämme, die mit Lehm oder Erde gedeckt wurden. Es kam überwiegend das Holz der Piñon Pine (Pinus edulis) zum Einsatz, einer bis 10 m hoch werdenden Kiefernart der Halbwüsten.
Heute sind die Hogans meist sechs- oder achteckig und haben einen Durchmesser von rund 8 Metern. Der Eingang zeigt immer nach Osten, damit die Bewohner die aufgehende Sonne und damit den neuen Tag begrüßen können. Nach traditioneller Bauweise werden sie noch immer aus Baumstämmen errichtet, die sich an den Ecken überkreuzen. Die Fugen der Seitenwände werden mit Lehm ausgefüllt, das Dach mit einer dicken Erdschicht gedeckt. Mittlerweile werden auch Stein und Zement als Baumaterial verwendet, aber die Grundform und die Ausrichtung nach den Himmelsrichtungen werden immer beibehalten.
Hogans sind jedoch nicht nur Wohnstatt und Raum für zeremonielles Geschehen, sie gelten auch als heiliger Ort. Insbesondere, wenn jemand in einem Hogan verstorben ist. Der Verstorbene darf nicht durch den Eingang hinausgebracht werden. Entweder wird dafür auf der Nordseite ein Loch in die Wand gebrochen oder der Verstorbene bleibt im Hogan, der dann zur Grabstätte wird. Dann wird der Eingang verschlossen und es wird niemand ihn jemals wieder betreten.

Steynowe

Steynowe ist eine noch nicht sicher nachgewiesene Wüstung im Landkreis Osterode am Harz. Sie liegt vermutlich etwa 3,2 km nordwestlich von Herzberg am Harz und etwa 500 m nordwestlich der kleinen Siedlung Mühlenberg. Etwa 1,2 km südöstlich des vermuteten Standorts befindet sich die Wüstung Hage.
Steynowe wurde erstmals um das Jahr 1241 herum urkundlich erwähnt. Der Name ist auch der damalige Name der Großen Steinau (das Dorf würde demnach heute ebenfalls Steinau heißen). Das Bestehen einer Siedlung kann aus einer Urkunde aus dem Jahr 1290 abgeleitet werden, in der zu leistende Abgaben aufgelistet wurden. Es wäre aber auch denkbar, dass es sich nur um eine geplante Siedlung gehandelt hat, die tatsächlich nie angelegt wurde. Die genaue Lage der Wüstung konnte bislang noch nicht eindeutig bestimmt werden, dürfte sich aber vermutlich im unteren Tal der Großen Steinau befinden.
Der Ortsname leitet sich von dem Gewässernamen ab, und ist wahrscheinlich eine einfache Zusammensetzung des Bestimmungswortes Stein mit dem Grundwort Au, womit eine Aue oder ein Wasserlauf gemeint ist.
51.682410.322Koordinaten: 51° 40′ 57″ N, 10° 19′ 19″ O

Bodo Hell

Bodo Hell (* 15. März 1943 in Salzburg) ist ein österreichischer Schriftsteller.

Hell studierte am Salzburger Mozarteum Orgel und in Wien an der Akademie für Musik und darstellende Kunst Film und Fernsehen, Philosophie, Germanistik und Geschichte, danach entschied er sich, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Bodo Hell lebt in Wien und seit über dreißig Jahren im Sommer am Dachstein, Steiermark, wo er 140 Rinder betreut. Diese Zeit dient ihm nicht nur als Inspiration, sondern die harte Arbeit eines Senners lässt ihn die Bodenhaftung behalten. Er arbeitete unter anderem mit Friederike Mayröcker, die er als seine persönliche literarischen Leitfigur im Bereich der Prosa bewertet, Ernst Jandl, der für ihn ein richtungsweisender Lyriker ist, Liesl Ujvary, Bady Minck und mit Hil de Gard zusammen. Hell sieht sich selber als „faktenorientierter“ Autor. Er recherchiert sorgfältig Fakten und bringt sie in einen Prosazusammenhang und versucht sie mit sehr differenzierten sprachlichen Methoden miteinander zu verweben. Hells Werke reichen seit den 70er Jahren von literarischen Publikationen bis zu experimenteller Prosa veröffentlicht als Bücher, Hörspiele, Text-Foto-Bände und Filme. Er verfasste Beiträge für Zeitungen wie „Die Presse“ und „Falter“ sowie für den ORF. 1997 übernahm er die Leitung eines Kurses im Rahmen der September-Akademie der „Schule für Dichtung“.

Johannes Rhenanus

Johannes Rhenanus (* etwa 1528 in Melsungen; † 29. April 1589 in Allendorf in den Sooden; eigentlich Johann Rheinlandt) war ein deutscher Salinist, Theologe, Alchemist, Drucker und Autor.

Johannes Rhenanus studierte ab 1548 Theologie in Marburg, 1553 wurde er durch Adam Krafft, den Reformator Hessens, ordiniert. In den Jahren 1553 und 1554 war er zunächst als Zweitpfarrer seiner Heimatstadt tätig, zu Pfingsten 1555 versetzte ihn Landgraf Philipp I. nach Allendorf in den Soden. Mittlerweile nannte er sich nicht mehr Rheinland, sondern latinisierte seinen Namen (ganz nach der Sitte damaliger Gelehrter) in Johannes Rhenanus.
1566 heiratete er Catharina Braun († 1586), die Tochter des Melsunger Rentschreibers Jost Braun, mit der er fünf Kinder zeugte. In zweiter Ehe war er mit Catharina Schott, geb. von Löwenstein, verheiratet.
Er sollte nicht mit Johannes Rhenanus, seinem Enkel, verwechselt werden, der Arzt beim Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel war, 1610 in Marburg bei Johannes Hartmann promoviert wurde und im 17. Jahrhundert Autor und Herausgeber alchemistischer Texte war. Er war der Sohn von Dr. Martin Rhenanus und war in Kassel geboren.
Obwohl sein neuer Dienstort Allendorf in den Soden bereits mehrere hundert Jahre lang von der Salzgewinnung lebte, das aus dortigen Solequellen gesiedet wurde, steckte die Saline jedoch in einer Krise. Obwohl immer mehr Salz benötigt wurde, ließ sich die Produktion nicht einfach steigern, da die Siedehütten in einem schlechten Zustand und die Wälder, die das Feuerholz lieferten, verwüstet waren. Auf der anderen Seite hatte die Pfännerschaft Interesse daran, die ohnehin hohen Salzpreise noch weiter in die Höhe zu treiben, und deshalb eine neue Soleader verheimlicht. Um die Lage zu verbessern, ließ Philipp I. dort 43 neue Siedehütten mit je einer Pfanne bauen, die nun 42 Pfannen der Pfännerschaft gegenüberstanden. Weil sich die Zusammenarbeit zwischen staatlichen und privaten Siedehütten als schwierig gestaltete und eine einheitliche Festsetzung der Salzpreise unmöglich war, pachtete Philipp I. im Jahr 1540 per Edikt auch die Pfannen der Pfänner und deren Wald. Unter landgräflicher Aufsicht warf die Saline nach wenigen Jahren wieder Gewinn ab.
In Rhenanus fand Philipp I. nun einen fähigen Mann, um die Saline weiter zu fördern und neue Produktionsmethoden einzuführen. 1559 ernannte er ihn zum Salzgreben und betraute ihn gegen den Widerstand der Pfännerschaft zunächst mit der Aufsicht über die wichtige Holzwirtschaft. Im Jahre 1561 erhielt er auch die Mitaufsicht über das Salzwerk, um die veraltetem Arbeitsweisen mit Nachdruck zu verbessern. Rhenanus wurde eine eigene Siedehütte zum Experimentieren eingerichtet, in der er 140 Pfannen Salz pro Jahr sieden konnte, während in den Hütten mit herkömmlicher Produktionsmethode in der gleichen Zeit nur 90 bis 95 Pfannen schafften.
Bereits Philipp I. hatte die Idee dazu, aber erst sein Nachfolger, Landgraf Wilhelm IV., befahl Rhenanus, seine Kenntnisse über die Salzgewinnung niederzuschreiben. Der Landgraf musste allerdings Rhenanus und dessen Ko-Autor und Mitsalzgreben Christoph Homberg ermahnen, die Arbeiten daran nicht zugunsten von Ausschweifungen aufzugeben: „Dann, wen Du und der Pfarherr soltet abgehen, wie Ir dan beide Saufens halben auch nitt wenig krenket und ewer Leben schwecht, so wehr itzo kein Mensch nicht mehr, der des Saltzwercks Ankunft oder Gelegenheit wüste.“ Nichtsdestoweniger schickte der Landgraf gelegentlich ein Weinfass aus dem Hofkeller nach Soden.
Nach knapp 20-jähriger Arbeit war das „New Saltzbuch“ (heute „Salzbibel“ genannt) fertig. Das Werk umfasst 2000 Seiten in fünf Büchern, mit vier Anhängen und einige Miszellen. Das Original befindet sich in der Bibliothek des Bergamtes in Clausthal-Zellerfeld, eine zeitgenössische Abschrift in der Bibliothek der Universität Kassel. Auch im Salzmuseum in Bad Sooden-Allendorf ist eine Abschrift ausgestellt.
Um das Problem der Energieknappheit nach der Abholzung der Wälder in der Umgebung zu lösen, experimentierte Rhenanus ab 1563 mit Braunkohle, die wenige Jahre zuvor auf dem nahen Meißner entdeckt worden war. Höhere Flammentemperaturen konnte er nutzen, als er die Siedepfannen, die bislang über offenem Feuer gehangen hatten, nun auf einen Rost auf Backsteinen setzte. 1575 erlaubte ihm Wilhelm IV., einen Stollen in den Schwalbental genannten Hang des Hohen Meißners zu treiben, um die Kohlevorkommen weiter zu erforschen. Finanziert aus den Erlösen der Saline Soden, entstand dort Deutschlands erstes Braunkohlebergwerk.
Trotz erster Erfolge mit der Braunkohlefeuerung war Rhenanus nicht zufrieden. Die Braunkohle brannte schlechter als die Holzkohle, deren Technologie besser bekannt war, so dass Wilhelm IV. auf Beschwerden der Pfännerschaft reagierte und Rhenanus mit Gehaltskürzungen drohte. Dieser war jedoch so von seinen Ideen überzeugt, dass er dem Landgrafen antwortete, er werde für die weiteren Experimente selbst aufkommen. In der Tat gelang es ihm, die Brenntemperatur der Kohle weiter zu erhöhen, indem er einen Kamin auf seinen Herd setzte. Diese Erfindung ging als „Allendorfer Windofen“ in die Geschichte ein. Zusätzlich nutzte er die Hitze der Abgase im Schornstein dazu, das Salz zu trocknen, das zu Verhinderung von Gewichtsverfälschungen nur in trockenem Zustand verkauft werden durfte. Durch die Kohlefeuerung stieg die Produktionsleistung der Saline in kurzer Zeit um mehr als 20 % und bald begannen auch andere Salinen damit, ihre Pfannen mit Kohle zu befeuern.
Seit 1560 arbeitete Rhenanus auch an der Verbesserung der Rosskunst, der Technik, mit der die Sole aus der Erde gefördert wurde. Er erkannte die Mängel des Göpelwerks, einer Förderanlage, die von zwei Pferden angetrieben wurde, und entwickelte ein eigenes Pumpwerk, das auch an anderen Orten noch jahrhundertelang im Gebrauch war.
Nach den Erfolgen in Soden versuchte man auch in anderen Industriezweigen, beispielsweise in Glashütten, die Braunkohlefeuerung einzuführen. Dies war jedoch nur mit entschwefelter Kohle möglich. So war Rhenanus auch bei der Entwicklung der Verkokung von Braunkohle beteiligt. Damit war auch das Brennen von Kalk und das Schmelzen von Kupfer möglich. Auch andere energieaufwändige Industrien konnten jetzt auf Braunkohlefeuerung umgestellt werden. Durch den Ersatz von nachwachsenden durch fossile Energieträger nahm Rhenanus ein Element der industriellen Revolution voraus.
Als Spezialist für Technologie genoss er solchen Ruf, dass er von auswärtigen Fürsten um Gutachten gebeten wurde. Ab 1567 machte er zahlreiche Reisen, unter anderem nach Braunschweig, Lüneburg, Thüringen und Sachsen. 1584 gestattete ihm sein Landesherr eine mehrmonatige Reise nach Pommern, wo er eine neue Salzader untersuchen sollte. Er besichtigte zahlreiche Salinen, Eisenerzhütten und Hammerwerke, und verfasste auch eine Reisebeschreibung, die sich erhalten hat.
In begrenztem Umfang ist Rhenanus auch als Drucker hervorgetreten. Die VD16-Datenbank verzeichnet zwei Hochzeitsgedichte, die er 1553 in Marburg druckte.
Nachdem Rhenanus 1589 schwer erkrankt war, schickte er ein leeres Weinfass an Wilhelm IV. und bat, man möge ihm dieses mit dem guten Tröpfchen aus dem Hofkeller füllen – es werde wohl der letzte Wein sein, den er trinken würde. Kurz darauf starb er und wurde in der St. Marien-Kirche zu Sooden begraben.
Rhenanus hinterließ Schulden von 993 Gulden, was drei Jahresgehältern entsprach. Der Landgraf zeigte sich großzügig und beglich die Außenstände. Rhenanus‘ Sohn Martin wurde Doktor der Medizin und praktizierte als solcher in der Nachbarstadt Eschwege. Sein gleichnamiger Enkel, Johannes Rhenanus, wie sein Großvater auch ein Alchemist, wurde Leibarzt des Landgrafen Moritz des Gelehrten.
In Bad Sooden-Allendorf gibt es nicht nur eine Rhenanus-Schule, sondern auch einen Rhenanusplatz, eine Rhenanus-Klinik und das Rhenanushaus (Gemeindehaus der evangelischen Gemeinde St. Marien). Alljährlich zum Brunnenfest wird Rhenanus von einem entsprechend kostümierten Pfarrer neben dem Bürgermeister, der den Landgrafen darstellt, verkörpert.
Ein Porträt von Rhenanus ist bislang nicht bekannt geworden.

Christian Zickelbein

Christian Zickelbein (* 12. Juni 1937 in Wiesenburg, Provinz Brandenburg) ist ein Hamburger Schachfunktionär, der vor allem im Jugendschach, beim Hamburger Schachklub und in der deutschen Schachbundesliga aktiv ist. 2002 sprach ihm der Deutsche Schachbund Dank und Anerkennung in Form einer Ehrenurkunde aus. Im Jahr 2004 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Zickelbeins Eltern zogen nach Hamburg, als er zwölf Jahre alt war. Seit 1951 ist er Mitglied des Hamburger SK. Im Jahr 1956 gründete er auf Anregung Emil Dähnes, des damaligen Vorsitzenden des HSK und Präsidenten des Deutschen Schachbundes, am Heinrich-Hertz-Gymnasium als Schüler eine Schulschachgruppe. Im Bemühen um finanzielle Unterstützung für die Schachgruppe war Zickelbein 1959 Mitbegründer des Hamburger Schachjugendbundes. Ab 1966 war Zickelbein als Lehrer am Gymnasium Uhlenhorst-Barmbek tätig und leitete dort nicht nur die Schulschachgruppe, sondern bis 1972 auch die Hamburger Schachjugend. Von seiner Initiative ging auch die Gründung der Deutschen Schachjugend 1971 aus. Von 1972 bis 1986 war Zickelbein nicht als Schachfunktionär tätig, nahm aber bis in die 1980er Jahre als Betreuer an Freizeiten der Hamburger Schachjugend teil.
Seit 1986 ist Christian Zickelbein Vorsitzender des Hamburger SK. Anlass war die Trennung des HSK vom HSV. Er organisierte 1991 ein stark besetztes Großmeisterturnier und trieb den Bau eines Vereinsheimes voran, das 1996 bezogen wurde. Als Einnahmequelle nutzt er unter anderem Schachpräsentationen in Hamburger Einkaufszentren. Außerdem ist er Chefredakteur der Vereinszeitung „aktuell“.
Zickelbein war auch Mannschaftsführer der Bundesligamannschaft des HSK. Über diese Funktion wurde er auf Vorschlag von Rudolf Veith Sprecher der Bundesligavereine. Hier galt sein Bemühen der Koordination der Bundesligavereine und der besseren Präsentation der Bundesliga. Bald strebte er eine größere Autonomie vom Deutschen Schachbund an, die er 2007 mit der Gründung der Schachbundesliga e.V. erreichte. Ab der Saison 2008/2009 ist dieser neue Verein, dem Zickelbein als Gründungsvorstand vorsitzt, für die Ausrichtung der Schachbundesliga verantwortlich.

Fernand Cormon

Fernand Cormon, eigentlich Fernand-Anne Piestre Cormon, (* 24. Dezember 1845 in Paris; † 20. März 1924 ebenda) war ein französischer Maler und Leiter der privaten Malschule Atelier Cormon. Zu seiner Zeit war er ein bekannter Historienmaler in Frankreich, der häufig religiöse Themen malte und sich später gelegentlich der Porträtmalerei zuwandte. Sein Malstil ist dem akademischen Realismus zuzuordnen.

Seine Malstudien begann Cormon in Brüssel bei Jean-François Portaels. Im Jahr 1863 kehrte er nach Paris zurück, wo er Schüler von Alexandre Cabanel und Eugène Fromentin wurde. Cormon verließ in seinen Werken nie die akademische Linie. Er stellte seit 1868 im Salon de Paris aus und leitete in den 1880er Jahren seine private Kunstschule, das Atelier Cormon, wo er seine Schüler in einer Malerei unterwies, die von der Jury des Salons anerkannt wurde. Unter seinen Schülern, die dieses Ziel nicht erreichten, weil ihre malerischen Intentionen vom vorgegebenen Stil des Salons abwichen, waren unter anderem Henri de Toulouse-Lautrec, Louis Anquetin, Eugène Boch, Émile Bernard und Vincent van Gogh.
1880 wurde Cormon in die Ehrenlegion aufgenommen. Er unternahm Reisen nach Tunesien und in die Bretagne. Cormon wurde 1898 Leiter an der École nationale supérieure des beaux-arts und Mitglied der Académie des Beaux-Arts. Henri Matisse, der unter Cormons Vorgänger Gustave Moreau die École besucht hatte, musste sie 1899 wegen Unstimmigkeiten mit Cormon verlassen.
Fernand Cormon war, neben in dunklen, durch Schlaglichter erhellten Sujets des modernen Lebens, spezialisiert auf biblische und prähistorische Szenen. In dem in Öl auf Leinwand gemalten Bild Caïn (Kain) mit den Maßen 384 × 700 cm, das im Jahr 1880 die Sensation des Salons war, illustrierte er einen Vers aus La legende des siècles (Die Legende der Jahrhunderte) von Victor Hugo: „Als Kain mit seinen in Tierfelle gehüllten Kindern, mit wirrem Haar, bleich mitten in den Stürmen, vor Jehova floh, / da es Abend wurde, kam der finstere Mann in einer großen Ebene an den Fuß eines Gebirges […]“. Für dieses Werk arbeitete er jede Figur nach Modell und studierte für deren Ausstaffierung die Ergebnisse archäologischer Forschung. Das Gemälde wurde vom französischen Staat erworben und befindet sich heute im Musée d’Orsay in Paris.

Dagmar Altrichter

Dagmar Altrichter, verwitwet Dagmar Altrichter-Schons, (* 20. September 1924 in Berlin-Wilmersdorf; † 20. Juli 2010 in Lüdersdorf) war eine deutsche Schauspielerin und Synchronsprecherin.

Dagmar Altrichter besuchte das Lyzeum in Berlin und begann bei Lyda Wegener ihre Ausbildung an der Berliner Schauspielschule, wechselte jedoch vor ihrem Abschluss an das Landestheater Mark Brandenburg. Ihr erstes Engagement hatte sie am Theater am Kurfürstendamm. Später war Altrichter mit einem breitgefächerten Rollenrepertoire an zahlreichen Hamburger Häusern vertreten. Bereits nach dem Krieg hörte man ihre charakteristische Stimme zudem in zahlreichen Radio-Hörspielen, unter anderem von Helmut Käutner, die heute als Klassiker gelten.
Seit den 1960er Jahren stand sie in Kinofilmen und Fernsehspielen vor der Kamera, etwa in Meines Vaters Pferde I. Teil Lena und Nicoline und Meines Vaters Pferde II. Teil Seine dritte Frau sowie der Komödie Fisch zu viert. Hauptsächlich war sie aber als deutsche Synchronstimme für zahlreiche Hollywoodgrößen tätig, unter anderem für Ingrid Bergman in Mord im Orient-Express, Ava Gardner, Elizabeth Taylor, Deborah Kerr, Maggie Smith in Eine Leiche zum Dessert, Lily Tomlin in Solo für 2, Janet Leigh in The Fog – Nebel des Grauens und vor allem Angela Lansbury in der Fernsehserie Mord ist ihr Hobby.
Im Jahr 1991 hatte sie einen Kurzauftritt in Loriots Kinofilm Pappa ante Portas. Zuletzt stand Dagmar Altrichter zu ihrem 80. Geburtstag auf der Bühne, als sie in Wuppertal, Duisburg und Bochum im Stück Amnesie ihres Sohnes Andreas Schnabel die Rolle der Konsulin Mehlmann spielte.
Dagmar Altrichter, die seit 1977 mit ihrem Kollegen Hans E. Schons verheiratet war, war Mutter dreier Kinder: die promovierte Kulturwissenschaftlerin und Hörspiel-Autorin Viola Altrichter, den Journalisten, NDR-Redakteur und Kochbuch-Autor Michael Altrichter sowie den freien Autor Andreas Schnabel.

Johannes Kramer (Physiker)

Johannes Heinrich Kramer (* 1905 in Neuenkirchen; † 8. Juni 1975 in Braunschweig) war ein deutscher Physiker der Experimentalphysik sowie Direktor und Professor a. D. an der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig.

Kramer studierte an den Universitäten in Bonn, Münster und Kiel. 1933 wurde er an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit einer Arbeit Über nichtleitende Metallmodifikationen zum Dr. phil. (Doktor der Naturwissenschaften) promoviert. Anschließend war er für zwei Jahre als Assistent Professor Zahns in Kiel tätig eher er, gemeinsam mit diesem, nach Ankara in die Türkei wechselte. Dort beschäftigte er sich mit dünnen Metallschichten. 1939 kehrte er nach Deutschland zurück und nahm eine Stellung in der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR) in Berlin an. Kramer arbeitete im Kältelabor in der Arbeitsgruppe um Eduard Justi an der Anisotropie der Magnetowiderstandsänderung von Metalleinkristallen bei tiefen Temperaturen. Kramer erforschte im selben Jahr erstmals die Emission von niederenergetischen Elektronen aus Festkörpern nach der Beanspruchung durch chemische Oberflächenreaktionen, mechanische Belastung oder energiereiche Strahlung und erkannte darin eine einheitliche Erscheinungsform. Er gilt als Begründer der Erforschung der Exoelektronenemission, die 1956 auf einer Tagung in Innsbruck nach ihm „Kramer-Effekt“ genannt wurde.

Robert Andras

Robert Knight Andras PC (* 20. Februar 1921 in Lachine, Montreal, Québec; † 17. November 1982) war ein kanadischer Unternehmer und Politiker der Liberalen Partei, der mehrere Abgeordneter des Unterhauses sowie Minister war.
Andras trat als Soldat der Canadian Army bei und nahm am Zweiten Weltkrieg teil. Später blieb er Angehöriger der Armee und wurde zuletzt zum Major befördert. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee war er als in der Privatwirtschaft tätig und wurde zunächst 1958 Geschäftsführer des Autohandelsunternehmens Gibson Motors Ltd., dessen Eigentümer er 1960 wurde.
Bei der Unterhauswahl vom 8. November 1965 wurde er als Kandidat der Liberalen Partei erstmals zum Abgeordneten des Unterhauses gewählt und vertrat dort zunächst bis zur Unterhauswahl am 22. Mai 1979 den Wahlkreis Port Arthur sowie anschließend bis zu seinem Ausscheiden aus dem Unterhaus am 17. Februar 1980 den Wahlkreis Thunder Bay-Nipigon. Zu Beginn seiner Parlamentszugehörigkeit war er Mitglied verschiedener Ständiger Ausschüsses des Unterhauses.
Am 6. Juli 1968 wurde Andras von Premierminister Pierre Trudeau erstmals in die 20. Regierung Kanadas berufen, und zwar zunächst als Minister ohne Geschäftsbereich. Im Rahmen einer Kabinettsumbildung wurde er am 30. Juni 1971 Staatsminister für urbane Angelegenheiten und danach am 28. Januar 1972 Minister für Konsumenten- und Unternehmensangelegenheiten. Bei einer erneuten Regierungsumbildung ernannte ihn Trudeau am 27. November 1972 zum Minister für Arbeitskräfte und Einwanderung, ehe er am 14. September 1976 Präsident des Schatzamtes wurde. Zuletzt war Andras im 20. Kabinett vom 24. November 1978 bis zum 3. Juni 1979 Staatsminister für wirtschaftliche Entwicklung.